Corona ist ein Hurensohn

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Eigentlich sollte ich jetzt über die knappe Niederlage des VfB gegen den SV Wehen Wiesbaden oder die anstehenden Spiele im Endspurt der Bundesliga berichten, doch leider gibt es in diesen Tagen Wichtigeres. Nehmen wir als Gesellschaft den Kampf gegen einen unsichtbaren Feind auf und begreifen wir, was es heißt uns durch Distanz solidarisch zu zeigen?

Am Montag, den 16. März haben wir über das Wochenende, also innerhalb von zwei Tagen, fast eine Verdopplung der mit Sars-CoV-2 (nachgewiesen) infizierten Personen in Deutschland gesehen. Geht diese exponentielle Entwicklung – also Verdopplung alle 2 Tage – auf einer Basis von 6.000 Infizierten so weiter, haben wir in 14 Tagen 768.000 Infizierte in Deutschland. Erkranken davon (glücklicherweise) nur 5% schwer, so sind das immer noch 38.400 schwer Kranke, die Intensivpflege benötigen. Kein Gesundheitssystem der Welt – auch nicht das unsrige – kann dies leisten und wird an der schieren Zahl der Erktranten zusammenbrechen. Die unmenschlichen Konsequenzen einer derartigen Tragödie erleben wir gerade in Italien, wo Ärzte entscheiden müssen wer beatmet wird und wer stirbt, und sich Sterbende via Skype von Ihren Lieben verabschieden.

Daher mein dringender Appell an alle: Wir als Gesellschaft müssen diese Gefahr ernst nehmen und begreifen, was in der aktuellen Zeit zu tun bzw. vor allem nicht zu tun ist, z.B.:

  • In Zeiten der geschlossenen Schulen ist es die dümmste Idee, wenn die Großeltern auf Ihre Enkel aufpassen, nur damit Mama und Papa keinen Urlaub opfern müssen.
  • Spielgruppen und Betreuungsangebote der Eltern untereinander sind zwar gut gemeint, aber die idealen Brutstätten für weitere Übertragungsketten.
    • Daher betreut jeder seine (und zwar nur seine) Kinder von zu Hause!
  • Freunde (auch die Besten) trifft man bitte für eine gewisse Zeit virtuell und nicht hier und da auf einen Kaffee oder ein Bierchen.
  • Sport findet nicht mehr statt.
    • Zum Kicken und lässigen Austausch danach werden wir, nachdem diese Krise überstanden ist, genügend Zeit haben.
  • Familienfeste und auch wenn es die ganz runden Geburtstage oder Goldenen Hochzeiten sind, finden nicht statt, sondern werden umso fröhlicher und heftiger nachgeholt.

Ich bin keineswegs so naiv zu glauben, dass das einfach ist oder wir einfach ab sofort alle zu Hause bleiben können, ohne Rücksicht auf (auch wirtschaftliche) Verluste. Aber welch Ignoranz ich in den letzten beiden Tagen erleben musste, erschrickt und darf in dieser Zeit einfach nicht sein! Ein paar sinnfreie Beispiele hierzu:

  • Wenn Hallen geschlossen werden, trifft man sich nicht auf dem Sportplatz, um trotzdem zu kicken und danach noch eins zu nehmen.
  • Wenn Schulen zu sind, trifft man sich nicht mit allen Kids auf dem Spielplatz, um den neuesten Klatsch und Tratsch zu diskutieren.
  • Wenn Mitarbeiter aus einem Risikogebiet nach Hause kommen oder Ängste haben, weil Bekannte bzw. Kontaktpersonen infiziert sind, steht es keinem noch so cleveren Personaler zu, sich mit medizinischen Rat im Sinne von „wenn Du eine dritte Person bist und keine Symptome hast, dann gibt’s kein Problem und somit auch kein Home Office“ zu erdreisten.

Bitte nehmt diese Lage so ernst wie sie ist, aber verhaltet Euch auch mit der notwendigen Besonnen- und Gelassenheit! Und da sind wir dann beim nächsten Thema: Niemand in Deutschland benötigt einen Hamsterkauf. Selbst wenn wir in eine Situation wie in Italien kommen, werden weiterhin genügend Lebensmittel für alle vorhanden sein. Nur wenn alle auf einmal einen ganzen Jahresvorrat an Nahrungsmitteln nach Hause schleppen wollen, dann wird es auch für alle eng! Also jeder reißt sich bitte ab jetzt zusammen, kauft ganz normal ein (von mir aus ein bisschen mehr Bier als sonst), aber sonst läuft eben beim Einkauf bitte alles normal und besonnen, damit jeder ohne Stress genügend zum Essen hat und sich den Allerwertesten nach dem Toilettengang abwischen darf.

Ich denke in Zeiten wie diesen zeigt sich was eine Gesellschaft zu leisten im Stande ist. Und da ist es insbesondere so, dass in den oft von der Allgemeinheit belächelten Fußballszenen eine Solidarität gelebt wird, wie ich sie mir von vielen meiner Mitmenschen nun wünsche. Ich kenne nur den Stuttgarter Mikrokosmos, aber was z.B. die Jungs und Mädels vom Schwabensturm (vgl. „Aktion Gemeinsam Helfen“, https://blog.schwabensturm02.net/) auf die Beine stellen, verdient größten Respekt und ist beeindruckend. Ich bin mir sicher, dass sich das Kollektiv in anderen Städten ähnlich organisiert.
Egal ob Karlsruher oder Stuttgarter, 60er oder Roter, Frankfurter oder Offenbacher, Schalker oder Dortmunder, Hamburger oder Bremer, Obdachloser, Ministrand, Handwerker, Banker oder Politiker, jetzt gilt es: Helft uns allen, indem wir Abstand voneinander gewinnen, das Ausmaß der Bedrohung ernst nehmen und diejenigen unterstützen, die in diesem Fall die Risikogruppe sind. Jeder für alle und nicht jeder für sich!

Und ganz zum Schluss, meine Hochachtung und meinen tiefsten Respekt an alle diejenigen unter uns, die die „kritische Infrastruktur“ am Leben halten:

  • Natürlich sämtliches medizinisches Personal: Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, Empfangsdamen und Herren, Pförtner und Putzfrauen!
  • Alle, die in den Einkaufsläden an den Kassen und Regalen die Stellung halten, scheinbar immun gegen jedes Virus sind und sich wünschen, dass wir wieder normal einkaufen, ohne den Untergang des Abendlandes zu beschwören.
  • Polizisten, Feuerwehren, Soldaten, die auch in dieser Zeit für unser aller Sicherheit sorgen.
  • Und auch unsere Politiker, die weitreichende Entscheidungen schnell treffen müssen und treffen. Mein tiefster Respekt!

Auf dass die Forschung bald etwas Brauchbares findet, die globalen Anstrengungen belohnt werden und wir danach eine hoffentlich bessere Gesellschaft geworden sind.


Packen wirs an!

   

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